Wir haben Glück. Es ist Januar und das
bedeutet in der Bierausschankstelle Man in the Moon in Stockholm, es ist
India-Pale-Ale-Monat. Sagenhafte und reale fünfundzwanzig verschiedene India
Pale Ale (IPA) vom Fass warten darauf, von uns getrunken zu werden.
Die riesige Auswahl überfordert uns zuerst. Die
hopfenreichen Biere kommen aus Schweden, Norwegen, Dänemark, USA und
Großbritannien. Es gibt bittere, weniger bittere, viel bittere, dunklere
und ganz helle Variationen und so weiter. Dazu stehen noch weitere Fassbier,
wie zum Beispiel das hauseigene Mond-Pale Ale von Eskilstunas Ölkultur und ein
paar Pilsner auf der Karte.
Wir lächeln etwas gequält, aber der Mann
hinter der Bar nimmt sich für uns Zeit und berät uns. Keine drei Minuten
später stehen die Biere auf dem Tisch und ich beginne mich vorsichtig an
mein IPA heranzupirschen, um es dann zu verköstigen, während meine bezaubernde
Begleiterin, als bekennender IPA-Fan erst still genießt und kurz darauf ins
Schwärmen gerät.
Das geräumige Man in the Moon ist im typischen
englischen Stil gehalten. Man bezeichnet sich dann auch als Gastro-Pub. Die
Einrichtung sieht gepflegt aus und es ist sehr sauber, beinahe geleckt.
Das Publikum ist dazu passend angezogen. Man trägt hier auf. Von der
örtlichen Arbeiterklasse fehlt jede Spur.
Die Betreiber legen viel Wert auf eine
gehobene Küche, was sich dann leider auch auf den Preis nieder schlägt. Die
Preise für die Hauptgerichte beginnen bei 200,- schwedischen Kronen (SEK)
und sind auch für schwedische Verhältnisse teuer. Als preiswertere Alternative
wird aber zusätzlich ein Pub-Menü (Pommes, Hamburger u. a.) angeboten.
Wir sind nur wegen dem Bier hier und blättern
weiter in der Getränkekarte. Auf vielen, vielen Seiten sind alle gekühlten
Flaschenbiere aufgelistet. Ein Paradies auf Erden für jeden Freund der
Braukunst. Die aufgeführten Biere gehören zum allergrößten Teil zur Qualitäts-
bzw. Craftwelt. Die Preise sind dementsprechend gepfeffert.
Sie beginnen bei etwa 10,- Euro für eine
Flasche normalen Bieres von den lokalen Mikrobrauereien und erstrecken sich bis
zu den unglaublichen 595,- SEK (etwa 71,- EUR), die für eine Flasche
des augenblicklich beliebtesten Bieres der Welt, das belgische Westvleteren 12
(XII) in der Ausgabe von 2002, verlangt werden.
Eine Flasche Stormaktsporter der Närke
Kulturbryggeri in der Ausgabe von 2008, ohne Zweifel DAS schwedische
Flaggschiff in der Welt der handwerklich gebrauten Biere, kostet immerhin noch
495,- SEK (fast 59,- EUR).
Wir belassen es beim Blättern in der Karte und
halten uns an die Fassbiere. Diese beginnen bei 50,- SEK, was etwas
gesünder für den Geldbeutel ist.
Die Betreiber des im Jahr 1996 eröffneten
Pubs, veranstalten auch allerhand Verkostungen. Zuerst natürlich von Bier, aber
auch von Whisky, Schokolade, Wein und Schnaps. Zusätzlich bietet man die
erwähnten Themenmonate an, wie zum Beispiel ein Oktoberfest, zu dem dann
deutsches Essen und deutsche Biere im Mittelpunkt stehen.
Wir bestellen noch zwei dänische India Pale
Ale und verlangen die Rechnung. Für heute soll es erst einmal genug sein. Die
Bedienung ist mit allen drei Dingen schnell zurück. Beim Bezahlen versichert
sie, auf unsere Nachfrage hin, dass die am Monatsende eventuell noch
vorhandenen India Pale Ales natürlich nicht weggeworfen werden.
Fazit: Wer bereit ist, in einer gediegenen
Atmosphäre, für sehr gutes Bier, auch sehr gutes Geld auszugeben, ist hier bestens
aufgehoben. Bodenständigere Alternativen in Stockholm sind das Akkurat oder das
Sorbon.
Der Pub Man in the Moon liegt in der
Tegnergatan 2C in der Nähe der U-Bahnstation Rådmansgatan.
Alle Informationen: www.maninthemoon.se/valkommen.aspx



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